Beschäftigt man sich abgesehen von der Handynutzung eingehend mit dem gesamten Lebenszyklus eines Mobiltelefons von der Technologieentwicklung, Rohstoffgewinnung, Technologieherstellung, Mediennutzung bis zur Entsorgung (bzw. Up-/Recycling), ergeben sich viele Fragen. Der folgende Fragenkatalog wurde von Schülerinnen und Schülern einer 3. Klasse des BG/BRG Pichelmayergasse im Rahmen eines Workshops gesammelt und vom ÖHA!-Team nach eingehender Internet-Recherche beantwortet.

Technologieentwicklung

Werden Handys immer besser?

Wenn wir danach fragen, ob Handys immer „besser“ werden, dann kann man fragen worin sie besser werden. Was wir alle beobachten können ist, dass gerade Smartphones immer mehr können. D.h. bis vor einigen Jahren haben wir mit Telefonen „nur“ telefoniert, später auch Textnachrichten (SMS) verschickt. Heute sind Smartphones Universalgeräte, mit denen wir mit unterschiedlichen Apps Unzähliges machen können: Textnachrichten schreiben, Fotos und Videos aufnehmen und schicken, Spiele spielen, sportliche Aktivitäten „tracken“, das Wetter beobachten, usw. Dafür brauchen Smartphones einerseits eine enorme Rechenleistung, andererseits leistungsstarke Akkus. Bezogen auf die Rechenleistung ist das sogenannte Mooresche Gesetz spannend: Dieses besagt, dass sich durch die Technologieentwicklung die Rechenleistung bzw. Speicherkapazität alle 1 bis 2 Jahre verdoppelt. Das kann man auch anders betrachten: Unsere Computer werden immer kleiner und immer leistungsstärker. Die Akkus halten länger. Die Geräte können mehr. Aber ist das „besser“? Brauchen wir alle Funktionen, die Smartphones bereit stellen? Können wir diese überhaupt alle nutzen?

Gibt es ein Handy, das lange hält und der Umwelt nicht schadet?

Ein ganz klimaneutrales Handy gibt es (noch) nicht. Im Moment ist sogar beim Fairphone, das sich sehr bemüht, umweltverträgliche Materialien zu verwenden, nur etwa ein Drittel recyclebar. Lang haltbare Handys gibt es jedoch schon (s. Frage zur ökologisch nachhaltigen Produktion von Handys).

Und – wenn man ein Handy nicht mehr braucht, dann kann es ja evtl. noch jemand anderer gebrauchen. Es gibt auch in Österreich Menschen, die sich kein Smartphone leisten können und die froh sind, ein gebrauchtes Gerät etwa durch soziale Projekte wie Socius (eine unabhängige, sozial-ökologische Organisation) zu erhalten:

Wie kann man ein Handy umweltfreundlicher machen?

Es gibt bereits Handys, die modular aufgebaut sind, d.h. dass man einzelne Teile auswechseln oder reparieren kann. Bei der umweltfreundlichen Herstellung der Geräte geht es auch um gute Arbeitsbedingungen der Menschen, die die Handys herstellen, sowie um die Verwendung umweltverträglicher Materialien.

Auch sollte bei der Rohstoffgewinnung auf die Abbaubedingungen der Menschen geachtet werden. Solche Handys sind z.B. das niederländische  Fairphone oder das deutsche Shiftphone. Die Online-Plattform “refurbed™ – Wie neu, nur besser” bietet erneuerte Handys, Tablets und Laptops mit mindestens einem Jahr Garantie. Refurbishing bezeichnet die qualitätsgesicherte Überholung und Instandsetzung von Produkten zum Zweck der Wiederverwendung und -vermarktung.

Rohstoffgewinnung

Wie und wo werden die Rohstoffe abgebaut?

Die Rohstoffe für Handys werden in verschiedenen Ländern abgebaut. Z.B. ist die Demokratischen Republik Kongo das Hauptland für den Kobaltabbau. Laut der Süddeutschen Zeitung (18.07.2019) wurden im Jahr 2017 mehr als 60 Prozent des weltweit genutzten Rohstoffs dort gefördert. Knapp 50 Prozent der globalen Reserven lagern dort noch unter der Erde.

Die Bedeutung der Konfliktmineralien für den Rohstoffabbau lässt sich am Beispiel des Erzes Coltan erklären. Aus Coltan wird das für die Handyproduktion notwendige Metall Tantal gewonnen. Größere Rohstoffvorkommen gibt es u.a. im Kongo. Dort finanziert der Coltanabbau über viele Jahre einen grausamen Bürgerkrieg: Da es relativ leicht abgebaut werden kann, besetzten die Rebellen zahlreiche Minen und ließen das Erz unter gefährlichen Bedingungen fördern, um es anschließend gewinnbringend zu verkaufen.

Mittlerweile wird der Rohstoffabbau und -handel stärker kontrolliert und findet auch unter verbesserten Bedingungen in „konfliktfreien“ Minen statt. Der Rohstoffabbau bietet vielen Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zumindest ein geringes Einkommen.

Weiters ist es bei der Rohstoffgewinnung wichtig, auch auf die Abbaubedingungen der Menschen zu achten. Durch fehlende Schutzkleidung, Staub und Dämpfe kann es zu Gesundheitsproblemen kommen.

Handyanbieter, die auf diese Aspekte besonders achten, sind z.B. das niederländische Unternehmen Fairphone oder das deutsche Unternehmen  Shiftphone.

 

Welche Rohstoffe werden in einem Handy verwendet?

Gehäuse, Akku oder Display und weitere Komponenten eines Smartphones wie z.B. Leiterplatten bestehen aus Kunststoffen, Keramik und Metallen.

Allein rund 30 Metalle stecken in einem Handy; unter anderem Kupfer, Eisen, Aluminium und Nickel, geringe Mengen an Silber und Gold sowie sehr kleine Mengen Palladium und Platin. Mit Kobalt, Gallium, Indium, Niob, Wolfram, Metallen der Platingruppe und leichten Seltenen Erden enthält ein Gerät allein sieben Stoffe, die im Jahr 2014 von der EU-Kommission als sogenannte „kritische Rohstoffe“ bzw. seltene Metalle eingestuft wurden und weltweit immer knapper werden.

Auch Seltene Erden – genauer Seltenerdmetalle – finden sich im Mobiltelefon, zum Beispiel Neodym und Cer. Sie werden in sehr geringen Mengen unter anderem als Leuchtmittel, im Mikrofon oder in Lautsprechern verwendet. Unten ist der Link zu der Webseite, wo ihr auch diese Grafik finden könnt.

Wie viel Gold ist in einem Handy?

Schätzungen zufolge enthält ein Smartphone mit einem Gewicht von 110 Gramm ca.

  • 305 Milligramm Silber
  • 30 Milligramm Gold und
  • 11 Milligramm Palladium

Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Fachbericht 2012 (Stand: 09.12.2019)

Wie kommen die Rohstoffe in das Handy?

Damit die Rohstoffe für die Handyproduktion verwendet werden können, müssen sie zunächst in Minen abgebaut werden. Danach werden die Rohstoffe zur weiteren Aufbereitung transportiert. D.h. die für ein Handy benötigten Stoffe werden erst in weiteren Prozessen hergestellt.

Das Beispiel Gold zeigt, wie viele Ressourcen dabei verbraucht werden: Um 0,034 Gramm Gold für ein Handy zu gewinnen, müssen mindestens 100 Kilogramm Gestein bewegt werden. Um das Gold aus dem Golderz zu lösen, werden oft Schadstoffe wie Quecksilber oder Zyanid eingesetzt (Quelle: BMBF: Die Rohstoff-Expedition, Stand: 09.12.2019)

Der weltweite Abbau der Rohstoffe führt also zu Umweltbelastungen. Doch die Rohstoffgewinnung hat auch soziale Folgen – oft werden dabei Menschenrechte verletzt und internationale Sozialstandards missachtet:
Teilweise herrschen gefährliche Arbeitsbedingungen in den Minen; durch fehlende Schutzkleidung, Staub und Dämpfe kann es zu Gesundheitsproblemen kommen (Quelle: Germanwatch: Folgen der Globalisierung der IT-Branche am Beispiel Handy, Stand: 09.12.2019)

Gibt es Kinderarbeit bei der Rohstoffgewinnung für Handys?

Ja, leider, darauf weisen Menschenrechtsorganisationen immer wieder hin und darüber gibt es auch viele Artikel. Sehr schlimm ist die Lage zum Beispiel im Kongo.

  • PDF „Kinderarbeit im Coltanbergwerk“ (Stand: 09.12.2019): Reportage über einen Jungen, der im Kongo in einem Coltanbergwerk (eines der wichtigsten Rohstoffe zur Smartphone-Herstellung) gearbeitet hat.
  • PDF „Abbaubedingungen und Zertifizierungen“ (Stand: 09.12.2019)
    Auch in diesem Artikel geht es u.a. um Kinderarbeit, aber auch darum, dass Handyfirmen (hier Apple) Zulieferer hinauswerfen und es Möglichkeiten gibt, Minen mit „guten“ von „schlechten“ Abbaubedingungen zu unterscheiden.

Technologieherstellung

Welche Handymarke sollte man kaufen?

Will man ein neues Smartphone, dann kann man unterschiedliche Anbieter wählen, die „ökologisch nachhaltigere“ Smartphones anbieten. Einerseits gibt es Anbieter, die versuchen die Geräte möglichst ökologisch nachhaltig herzustellen. Solche Handys sind z.B. das niederländische  Fairphone oder das deutsche Shiftphone. Fairphone greift u.a. auf recycelte alte Geräte zurück. Fairphone versucht zudem die Arbeitsbedingungen der Arbeitenden am gesamten Produktionszyklus zu verbessern.

Oder du kaufst dir ein Smartphone von der Online-Plattform refurbed™ – Wie neu, nur besser. refurbed™ ist Englisch und bedeutet „renoviert“. D.h. diese Anbieter kaufen bspw. Ausstellungsstücke oder Handys von großen Firmen die bereits gebraucht wurden. Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und – laut refurbed™ – ca. 70% CO₂ reduziert.

Bevor du aber ein neues Handy haben möchtest, überlege gut ob du wirklich eines brauchst oder ob du aus anderen Gründen ein neues, schnelleres und schöneres  Handy haben möchtest.

Wo werden Handys hergestellt?

Die Rohstoffe werden zuerst abgebaut und dann weiterverarbeitet, oft in einem anderen Land. Das gewonnene Kupfer aus Chile wird zum Beispiel zur Weiterverarbeitung nach China transportiert, wo die meisten Einzelteile eines Handys hergestellt werden. Die Endmontage des fertigen Gerätes findet in der Regel wieder in einem anderen Land statt, zum Beispiel in Malaysia.

Danach gelangt das Handy in den Zwischenhandel, z.B. nach Europa, und wird dann an Kundinnen und Kunden in der ganzen Welt verkauft (Quelle: Südwind Institut: Von der Mine bis zum Konsumenten, Stand: 09.12.2019).

Du siehst, die im Handy verarbeiteten Rohstoffe haben bereits lange Transportwege hinter sich, bevor du dein neues Mobiltelefon zum ersten Mal in den Händen halten kannst. Rohstoffförderung und Handyproduktion sind sehr ressourcen- und energieintensiv. Um die Umwelt zu schonen, sollten Handybesitzer*innen ihr Mobiltelefon daher möglichst lange nutzen.

 

Ist ein Handy so viel wert wie es kostet?

Sind die Herstellungskosten etwa so hoch wie die Kosten für ein Smartphone? Ganz eindeutig: nein!

Es ist sogar so, dass die Gewinnspanne bei einigen Handys riesig ist. Der Gerätepreis richtet sich eher danach, wie begehrt dieses Gerät ist und wie viele es, aus welchen Gründen auch immer, haben wollen.

Hier sind zwei Artikel, in denen das gut erklärt wird:

Warum braucht man wertvolle Metalle wie Kupfer und Gold für Handys?

Kupfer und Gold sind Bestandteile der Kontakte und Leitungen. Das Gold unterbindet eine Oxidation. Zudem ist Gold in den Schaltkreisen des Mikroprozessors nötig.

In den Kondensatoren steckt das Metall Tantal. Tantal ist ein sehr seltenes Element. Kondensatoren aus diesem Metall sind bei einer kleinen Größe besonders leistungsfähig und haben eine lange Lebensdauer.

Auch im Display ist mit Indium ein Metall vorhanden. Es ermöglicht bei Displays eine dünne, transparente und leitfähige Beschichtung. Für Licht im Handy dient das Metall Gallium. In Leuchtdioden, kurz LEDs, sorgt es für den Kamerablitz und die Hintergrundbeleuchtung des Displays. Zudem benutzen die Produzenten das Metall Palladium, um den Kontaktflächen zwischen den Bauteilen Robustheit zu verleihen.

In diesem Dokument wird sehr gut beschrieben, welche Metalle wofür in Handys gebraucht werden:

Warum verschlechtern Hersteller ihre Produkte oft absichtlich?

Man kann nicht unbedingt sagen, dass die Produkte (hier Smartphones) absichtlich verschlechtert werden. Warum die Geräte von ihren Nutzerinnen und Nutzern ersetzt werden, ist nicht immer eindeutig zu erkennen. “Dass die Hersteller gezielt Schwachstellen in die Geräte einbauen, die kurz nach Ablauf der Garantiezeit zu einem Defekt führen, konnte nie nachgewiesen werden. Ökonomisch plausibel ist diese sogenannte «geplante Obsoleszenz» in einem Markt mit konkurrierenden Anbietern ohnehin nicht, weil unzufriedene Kundinnen und Kunden im Zweifel ein Konkurrenzprodukt wählen.“

  • Quelle: Neue Zürcher Zeitung “Nutzungsdauer” (Stand: 09.12.2019)

Das Problem liegt wohl eher darin, dass Unternehmen Gewinne machen wollen und müssen, um zu überleben. Und je mehr Produkte verkauft werden, desto mehr Umsatz und Gewinn kann damit gemacht werden. Deshalb werden in immer kürzerer Zeit immer mehr Dinge produziert, einfach, weil es möglich ist und sich lohnt. Und die werden verkauft, weil den Kundinnen und Kunden eingeredet wird, dass dieses neue Modell noch viel besser und viel effizienter etc. ist als das alte Gerät. Deshalb ist oft die Nutzungsdauer der Geräte so kurz.

Die wenigsten Geräte werden entsorgt bzw. nicht mehr verwendet, weil sie kaputt sind, sondern weil sie gegen neue Geräte ausgetauscht werden.

Mediennutzung

Ab wie vielen Jahren darf man ein Handy besitzen?

Das bestimmen im großen und ganzen deine Eltern. Es gibt aber Altersempfehlungen. Auf den Seiten von klicksafe steht sehr detailliert, worauf beim Handykonsum bei Kindern zu achten ist. Als Altersempfehlung steht hier kein konkretes Alter, sondern der Tipp: „Wenn Sie die Erfahrung gemacht haben, dass Ihr Kind entsprechend gut mit den im Handy enthaltenen Medien umgehen kann, es Absprachen hierzu einhält und weiß, dass es Sie bei Problemen immer ansprechen kann, und Sie ihm hier ausreichend vertrauen, dann kann Ihr Kind auch fit für das erste Handy sein.“

Laut Kinder-Medien-Studie 2018 besitzen 35% der 6- bis 9-Jährigen ein Handy/Smartphone und fast 83% der 10- bis 13-Jährigen in Deutschland. Die Daten sind dabei eins zu eins auf Österreich übertragbar, siehe Link: http://www.literacy.at/index.php?id=603 (Stand: 09.12.2019)

 

Wie lang sollte man ein Handy benutzen?

So lange wie möglich! Wenn du den Eindruck hast, dein Smartphone wird zu langsam, dann überleg dir, ob du nicht ein paar Apps, Fotos oder Musik löschen könntest. Es gibt ja die Möglichkeit, wichtige Dateien, Musik und Fotos auf externe Festplatten auszulagern.

Denn, wer sein Mobiltelefon so lange verwendet, bis es wirklich kaputt ist, leistet vermutlich den größten Beitrag zu einem nachhaltigen Gebrauch.

Warum braucht man unbedingt ein neues Handy?

Darauf wird es wohl verschiedene Antworten geben und hat evtl. auch mit der Altersgruppe zu tun. Oft sind neue Handys sowohl für jüngere als auch für ältere Menschen ein Statussymbol. Sie benutzen es (auch), um zu zeigen, dass sie „jemand“ sind, dass sie genug Geld haben, dass sie es sich leisten können. Und oft glauben sie, es zu brauchen, um irgendwie zu den „Coolen“ dazuzugehören. Das ist ja auch verständlich, schließlich will niemand ausgegrenzt werden, und heute passiert es schnell, dass jemand, der ein sehr altes “Tastenhandy” oder gar kein Handy besitzt, in der Schule (oft sogar schon in der Volksschule) ausgelacht und ausgegrenzt wird.

Außerdem werden die meisten Verabredungen ja auch heutzutage per Handy getroffen und viele soziale Events geschehen „online“. Also ist es wohl wahrscheinlich kaum so, dass es „egal ist, Hauptsache überhaupt ein Handy“. Es muss dann wohl für die meisten zumindest ein Handy sein, dass es erlaubt, die wichtigen Apps zu öffnen, zu spielen etc. Aber das können ja doch die meisten Smartphones jetzt schon, wenn sie nicht uralt sind.

Also muss diese Frage wohl jede*r für sich beantworten. Wichtig ist, dass man weiß unter welchen Umweltbedingungen Smartphones hergestellt und entsorgt werden, damit man bewusst entscheiden kann, ob man wirklich ein neues Smartphone braucht.

Wie kann man Menschen dazu bringen, sich weniger Handys zu kaufen?

Das Wichtigste ist wohl, dass wir viel über die Arbeitsbedingungen und die Umweltbedingungen der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Smartphones und anderen digitalen Geräten sprechen, damit möglichst viele Menschen Bescheid wissen und auf Basis dieses Wissens entscheiden, ob sie wirklich ein neues Smartphone brauchen.

Eine andere Möglichkeit wäre die Smartphones teurer zu verkaufen. Wenn alle Menschen entlang der Produktionskette faire Löhne erhalten, dann werden Smartphones vermutlich teurer.

Man könnte auch überlegen, die Entsorgung der Smartphones kostenpflichtig zu machen. Dann würde man sich vielleicht auch weniger Smartphones kaufen.

Entsorgung

Welche Rohstoffe von Smartphones können wiederverwendet werden?

Auf dieser Website: https://www.compoundchem.com/2015/09/15/recycling-phone-elements/ (Stand 10.11.2019) findet ihr Recyclingraten der verschiedenen Metalle in Smartphones. Die Seite zeigt vor allen Dingen, dass die Recycling-Raten vieler Metalle sehr niedrig sind, besonders die der “Seltenen Erden“, die (wie der Name schon sagt) sowieso schon sehr selten sind.

Warum landet unser europäischer Müll in Afrika?

Planet Wissen schreibt dazu:

Das sogenannte “Urban Mining” von Elektroschrottdie Gewinnung von Rohstoffen durch Recycling – ist vielen Industrieländern zu teuer. Es rentiert sich bisher kaum, denn die Mengen an Metallen, die dabei wiederverwertet werden könnten, sind bisher nur sehr gering. Statt den Elektromüll in den Herkunftsländern zu recyceln, wird er als gebrauchsfähige Second-Hand-Ware gekennzeichnet und nach Asien oder Afrika exportiert. Aber in Wahrheit ist ein großer Teil davon einfach nur Schrott, obwohl Schrott eigentlich nicht exportiert werden dürfte. Denn die von den europäischen Staaten unterzeichnete Basler Konvention, ein internationales Abkommen, verbietet den Export nicht funktionierender Altgeräte.

Doch in der Praxis ist es schwierig, gebrauchsfähige Geräte von Elektroschrott zu unterscheiden: Der Zoll macht an den Häfen in Rotterdam oder Hamburg Stichproben, steckt einen Teil der Geräte in Steckdosen und überprüft, ob sie funktionieren. Ist das der Fall, wird der Rest auch verschifft. Der Trick dabei ist allerdings oft: Die funktionierenden Geräte stehen vorne, der Schrott hinten. Aus Deutschland werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums aus dem Jahr 2010 mehr als 155.000 Tonnen ausgedienter Geräte ins außereuropäische Ausland gebracht.“

Wo landet unser Elektromüll?

Leider landet unser Elektroschrott viel zu selten in fachgerechten EU-Recyclinganlagen.

Global 2000 schreibt: „In Österreich fallen pro Jahr 83.074 Tonnen Elektroschrott an. Es wird geschätzt, dass weltweit lediglich 25 % der E-Abfälle in formellen Recyclingzentren mit angemessenem Arbeitsschutz und Umweltauflagen recycelt werden.“ Quelle: https://www.global2000.at/elektroschrott (Stand: 09.11.2019)

Der Rest landet als sogenannter E-Waste auf in- oder ausländischen Mülldeponien, obwohl die von den europäischen Staaten unterzeichnete Basler Konvention, ein internationales Abkommen, den Export nicht funktionierender Altgeräte verbietet. Daher werden diese oft als gebrauchsfähige Second-Hand-Ware gekennzeichnet, auch wenn das oft nicht stimmt.

Wie viel Elektroschrott gibt es in Österreich pro Jahr?

Laut der Presse erhöhte sich allein in Österreich die Menge an Elektroschrott in acht Jahren (bis 2016) auf 84.777 Tonnen, das ist ein Anstieg von fast 30 Prozent.

In Europa belief sich der E-Schrott auf durchschnittlich knapp 17 Kilogramm pro Person. Nur 20 Prozent der Altgeräte werden gesammelt und dem System durch Recycling wieder zugeführt. (Presse am Sonntag, 17.02.2019)

Warum sind viele Handys so gebaut, dass man sie nicht öffnen kann?

Das US-amerikanische Unternehmen ifixit hat auf seiner Webseite einen Smartphone-Repairability-Index. Dabei haben die Techniker alle Geräte demontiert und analysiert und auf einer Skala von 10 (sehr gut reparierbar) bis 0 (gar nicht zu reparieren) bewertet. Apple-Geräte schnitten dabei gar nicht mal schlecht ab: https://de.ifixit.com/smartphone-repairability

Das Problem der Gerätehersteller, z.B. Apple, ist eher, dass sie nicht wollen, dass ihre Geräte repariert werden und deshalb auch keine Werkzeuge, Handbücher und genügend Original-Ersatzteile zu leistbaren Preisen zur Verfügung stellen. Im Mai 2019 verhinderte der Konzern ein US-Gesetz für ein „Recht auf Reparatur“.

Aber es gibt Hoffnung, zumindest in der EU. Da basteln die Europarechtler gerade an einem „Recht auf Reparatur“

Und auch Apple beugt sich langsam und stellt seit kurzem auch Original-Ersatzteile für Freie Werkstätten (und nicht nur für autorisierte Service-Partner) zur Verfügung, allerdings erstmal nur in den USA:

Andererseits erschwert Apple auch die iPhone-Reparatur durch Dritte absichtlich: „Apple sieht es nicht gerne, wenn kaputte iPhones von anderen als dem eigenen Support und Apple-zertifizierten Reparaturservices wieder flott gemacht werden. Das Unternehmen hat eine Maßnahme getroffen, um das weiter zu erschweren. Die Akkus der Smartphones sind mit einem Chip ausgestattet, der den Zugriff auf die Diagnose-Funktion kappt, wenn sie von Drittanbietern ausgetauscht wurden.“

Wo landen ausgediente aber noch funktionsfähige Computer von großen Unternehmen?

Viele große Unternehmen verkaufen ihre alten Geräte an Firmen, die sie dann weiterverkaufen. Ein gemeinnütziges IT-Unternehmen, das „alte“ (meist sind die Rechner höchstens drei Jahre alt) Rechner für Schulen oder auch andere Firmen wiederaufbereitet, sind AfB (Arbeit für Menschen mit Behinderung).

Meist ist es sogar so, dass große Firmen ihre Rechner leasen und diese danach weiterverkauft werden (Stichwort „IT-Leasing“). Große Anbieter solcher gebrauchter Geräte, sogenannte Leasingrückläufer, sind zum Beispiel: ESM Computeroder itsco.

Was passiert eigentlich mit alten Handys?

Das kommt ganz darauf an. Sehr viele alte Geräte vermodern in irgendwelchen Schubladen und mit denen „passiert“ sehr wenig. Laut Schätzungen liegen mehr als 10 Millionen Handys in österreichischen Schubladen (so behaupten es z.B. die Ö3 Wundertüte oder auch die Wiener Zeitung.

Ansonsten gibt es immer mehr Unternehmen, die alte Handys ankaufen (altehandys.at) oder auch alte Handys reparieren und weiterverkaufen (refurbed).

Eine weitere Variante für alte Handys ist natürlich das klassische Recycling. Wie aufwendig gut gemachtes Elektro-Recycling ist, wird gut in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) beschrieben:

Leider verschwindet der größte Teil des Elektromülls (auch E-Waste genannt) z.B. illegal auf Müllhalden in Afrika oder Asien, wie in einem Artikel der Salzburger Nachrichten beschrieben:

Wo werden Handys recycelt?

Handys und Smartphones gehören in die Kategorie der Elektrokleingeräte. Es gibt Unternehmen in Österreich, die sich um das fachgerechte Recycling von Elektroschrott kümmern. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus schreibt in seinem Statusbericht 2019 „Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich“:

Für Elektrokleingeräte und Bildschirmgeräte existieren Behandlungsmethoden, die mittels manueller Zerlegung und/oder maschineller Aufbereitung die Abtrennung von schadstoffhaltigen Bestandteilen und eine weitgehende Rückführung der enthaltenen Materialien wie Metalle, Glas und Kunststoffe gewährleisten. (S. 54)

Elektrokleingeräte werden in rd. 20 Anlagen manuell demontiert. Weitere vier Anlagen mit einer Mindestkapazität von (S.123) 130.000 t pro Jahr stehen für die Behandlung von Elektrokleingeräten mittels maschineller Zerkleinerung zur Verfügung. Schadstoffhaltige Bauteile werden entweder vorher entfernt oder nach der Zerkleinerung manuell aussortiert. (S. 123)

Leider landet Elektroschrott leider viel zu selten in fachgerechten EU-Recyclinganlagen. Global 2000 schreibt:

In Österreich fallen pro Jahr 83.074 Tonnen Elektroschrott an. Es wird geschätzt, dass weltweit lediglich 25 % der E-Abfälle in formellen Recyclingzentren mit angemessenem Arbeitsschutz und Umweltauflagen recycelt werden.

Der Rest landet auf in- oder ausländischen Mülldeponien